Was tun wenn der Geldsegen aus der Lebensversicherung kommt?27.08.2010
Wenn eine Lebensversicherung zur Auszahlung kommt sind dies meist mehrere zehntausend Euro die nun auf dem Girokonto liegen. Für viele ist dies die Gelegenheit sich endlich den Wunsch vom Traumwagen oder dem Traumurlaub zu erfüllen und wer noch ein Darlehen besitzt kann dies nun tilgen.
Für viele jedoch kommt dieser Geldsegen, wenn auch sehr willkommen, doch etwas unverhofft. Die meisten Lebensversicherungen kommen nämlich bereits mit 55 oder 60 Jahren zu Auszahlung. Also dann wenn man eigentlich noch im Berufsleben steht und das Kapital noch nicht wirklich dringend benötigt.
Was soll man also mit dem schönen Geld tun?
Rente gegen Einmalzahlung
Viele Versicherer geben hierauf eine einfache und scheinbar logische Antwort: Rente gegen Einmalzahlung. Hier wird das Kapital in eine Kapital bildende Rentenversicherung eingezahlt, verzinst sich dort weiter und zum Renteneintritt erhält man lebenslang jeden Monat eine zusätzliche Rentenzahlung.
Diese Art der Versicherung boomt seit mehreren Jahren und beschert der Versicherungswirtschaft satte Gewinne.
Hier gilt wie bei jeder anderen Kapitalversicherung, wer die Auszahlung in Form einer Rente beantragt profitiert umso mehr je länge er lebt. Im Falle der Rente gegen Einmalzahlung muss der Versicherte über 90 Jahre alt werden damit sich der Abschluss einer solchen Versicherung überhaupt lohnt. Verstirbt der Versicherte früher ist dies ein gutes Geschäft für die Versicherung.
Dies rief die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin auf den Plan, welche zurzeit prüft ob diese Art der Geldanlage nicht zu Lasten der Kunden geht. Auch die Presse beschäftigt sich regelmäßig mit diesem Thema und zeigt die Vor- und Nachteile der Rente gegen Einmalzahlung auf.
So sind die Erträge aus der Ansparzeit steuerlich vergünstigt, der Fiskus greift erst bei der Auszahlung zu. Werden aber Vertragsbausteine wie Rentengarantiezeit, Hinterbliebenenabsicherung, Beitragsrückgewehr oder die Möglichkeit der Teilkapitalisierung eingebaut geht dies zu Lasten der Rentenzahlung und macht die steuerliche Vergünstigung wieder wett.
Bleibt also nur das gute alte Sparbuch?
Die Verzinsung von Sparbüchern beträgt etwa 0,5 % bis 1,2 % pro Jahr, also noch weniger als bei der Rente gegen Einmalzahlung (zwischen 1,75 % und 1,9 % jährlich, rechnet man die Abschlusskosten dem Garantiezins von 2,25 % gegen). Für Tagesgeldkonten erhält man selten mehr als 2,5 % und selbst beim Festgeld oft nur gut 3,5 % Zinsen jährlich. Zudem sind diese Zinseinkünfte Abgeltungssteuer pflichtig wenn sie mehr als 801 € für Ledige und 1602 € für verheiratete betragen.
Chance vs. Risiko
Aktien und Fonds bieten hier eine Alternative, sind aber gänzlich den Entwicklungen auf dem Kapitalmarkt unterworfen. Außerdem ist durch die Entkoppelung von Real- und Kapitalwirtschaft die Wertschöpfung hier mehr durch Spekulation bedingt als durch reale volkswirtschaftliche Erfolge. Wozu das führt konnten wir alle in den letzten Jahren miterleben.
Lediglich bei Fonds mit Fokus auf so genannten „Emerging Markets“ wie Brasilien, Russland, Indien und China hat die Entkoppelung von Finanzmarkt und Realwirtschaft noch nicht stattgefunden, weshalb diese Fonds für renditeorientierte Anleger interessant sind.
Zins-Sicher
Wer sein Geld jedoch banken- und börsenunabhängig, also sicher, investieren will greift besser zu festverzinslichen Wertpapieren. Abhängig von der Laufzeit sind hier garantiert zwischen 6 % und 9,1 % möglich. Noch höhere Renditen versprechen Genussrechte mit einer Basisverzinsung von 5 % bis 7 % und zusätzlicher Übergewinnverzinsung von bis zu 8 %.
Ausschlaggebend für die Sicherheit dieser Geldanlage ist der Emittent, der Herausgeber. Wie stabil erwirtschaftet er seine Wertschöpfung und kann er im Fall des Falles die Kundengelder in voller Höhe zurückzahlen. Erfüllt der Emittent diese Voraussetzungen ist dies trotz Abgeltungssteuer eine der attraktivsten und sichersten Geldanlagen.
Investieren Sie in deutsche „Googles“
Der Deutsche Andreas von Bechtolsheim, einer der Mitbegründer von Sun Microsystems, investierte 1998 eine Summe von 100.000 US $ in ein bis dato unbekanntes Unternehmen zweier Studenten namens „Google“. Als dieses Unternehmen 2004 an die Börse ging hatte sich der Wert der Investition von 100.000 US $ auf geschätzte 500 Mio. US $ vervielfacht.
In den Zeiten der Wirtschaftskrise sind die Banken mit der Finanzierung von deutschen Mittelständlern und Start-Up-Unternehmen noch zurückhaltender geworden und verwehren so kleineren innovativen Unternehmen die Möglichkeit Produkte zur Marktreife zu entwickeln. Hier springen Beteiligungsgesellschaften ein und investieren in diese Unternehmen bevor sie börsennotiert sind. Dies bietet auch dem Privatanleger die Möglichkeit an der Wertschöpfung durch Innovation teil zu nehmen.
Hier empfehlen sich Fonds die auf mehr als nur ein potentielles „Google“ aus verschiedenen Marktsegmenten wie Erneuerbare Energien, Life Science, Automatisierung, IT und innovative Werkstoffe setzen. Zudem sollten die Auswahlkriterien für die Kapitalvergabe sehr streng sein.
Wird all dies erfüllt, so gilt das Gleiche wie bei den oben genannten Geldanlagen: sicher und renditestark.
Mix it Baby!
Wer sich rechtzeitig informiert und individuell beraten lässt kann sein finanzielles Polster für den Ruhestand noch deutlich vergrößern.
Ein ausgewogener Mix aus festverzinslichen Anlagen, Beteiligungen und Fonds ist die cleverste Strategie sein Kapital zu erhalten und gleichzeitig eine attraktive Rendite zu erwirtschaften. Und das Beste, Sie bleiben finanziell flexibel und das Kapital gehört immer noch Ihnen und nicht der Versicherung!
