Teil 1: Finanzkrise – Mutter des 6. Kondratieffs?

Zu Beginn eines neuen Kondratieffzyklus brauchen Unternehmer in der Regel reichlich Geld, um sich die Dampfmaschine, den (Liefer-)Wagen oder das IT-System kaufen zu können. Steigende Zinsen stören nicht, da die Unternehmer mit ihren produktiveren Anlagen schließlich auch mehr verdienen. Doch irgendwann, nach mehreren Jahren sind die neuen technologischen Netze erschlossen. Investitionen in das Gleiche rentieren sich immer weniger.

Die Folge: Die Kreditnachfrage wächst langsamer, und am Ende tendieren die (Real-)Zinsen gegen Null. Das war so bei der Panik 1837, rund um die Zeit des Gründerkrachs 1873, der Weltwirtschaftskrise 1929 und den Ölkrisen 1974 sowie 1980. Und diese Tendenz war auch in den zeitlich nah aufeinander folgenden Krisen, der TMT-Bubble und der Finanzkrise, zu beobachten.

Zusammenfassend nennt Kondratieff u. a. vier Kennzeichen, die eine Trendwende zu einem neuen Kondratieffzyklus einleiten:

  1. Nutzungspotenzial alter Basisinnovation erschöpft (Zyklus von ca. 40 bis 60 Jahren).
  2. Hoher Überschuss an Finanzkapital (versus Sachkapital).
  3. Starke Rezessionsphase (Phase des Umbruchs).
  4. Soziale/institutionelle Veränderungen.


Diese vier Kriterien, die den Prozess einer Neuorientierung der Wirtschaft markieren, scheinen auf die frisch überstandene Finanz- und Wirtschaftskrise zuzutreffen:

  • Der Produktivitätsschub der Informationstechnik scheint langsam auszuklingen. Ein noch schnelleres Notebook beschleunigt die Arbeitsprozesse nicht maßgeblich.
  • Ebenso war die Wirtschaft bis 2007, vor dem Ausbruch der Finanzkrise, von einem Überschuss an Finanzkapital geprägt. Zu viel Geld traf auf zu wenig Realwirtschaft, weshalb Anleger auf Renditejagt gingen. Ihre Anlagealternative fanden sie meist in kreditfinanzierten US-Immobilien oder Finanzderivaten.
  • Die Folge war eine Finanzkrise, die in einer Wirtschaftskrise mündete.
  • Und schließlich wird derzeit an einer globalen ordnungspolitischen Finanzarchitektur gebastelt, die das Fundament für ein nachhaltiges Wirtschafts- und Finanzsystem bilden soll.

Auf der Suche nach der Kraftquelle des neuen 6. Kondratieffzyklus finden sich gleich zwei Impulsgeber:

  1. Zukünftige Megatrends, die zu Nachfrageverschiebungen führen, wie Globalisierung und Demografie.
  2. Trends bzw. Innovationen, die die Angebotsstruktur in der Wirtschaft verändern, wie Umwelttechnologie, Bio- und Nanotechnologie
    oder „ganzheitliche Gesundheit“.